Experiment Polyamorie Teil 2

In diesem Part geht es um meine Ausgangslage, meine bisherigen Beziehungsmuster und mal wieder ein schonungsloses Abrechnen mit diesen.

Sidequests for you!

Theoretische Hintergründe, in die ich wegen der „PA-Geschichte“ immer mal wieder reingelesen hatte:

Auf dieser Seite http://www.polyamorie.de/ hatte ich viel herumgelesen und mich im Prä-Stadium der Polyamorie in vielen Texten emotional wiedergefunden. Gestört hatte mich die Unterteilung in „Primary“, „Secondary“, „Tertiary“, die an einigen Stellen anklingt. Das wohl aber nur, weil ich selbst gierig nach Ordnung und Schubladisierung bin.

Auch dieses kurze (ach du meine Güte, was für ein Design, aber wir stehen ja zum Glück über den Optics, oder?) PDF http://robert-betz.com/fileadmin/files/medien/pdf/va_rbetz_wahre_liebe_warum_leiden.pdf hatte mich sehr angesprochen.

Das http://www.kolleg-postwachstum.de/sozwgmedia/dokumente/WorkingPaper/wp8_2014.pdf hatte ich auch gefunden und lesen wollen, (haha, didn‘t read!!), steht immer noch auf der Liste.

Und dann noch das Lieblingsdings aus der Projektwerkstatt http://www.projektwerkstatt.de/gender/download/a5_beziehungen.pdf.

Nun aber Seelenstriptease. Zur Sache, amigas und amigos!

Mein bisheriges Beziehungsmuster empfand ich als kompletten Schrott. Irgendwie geriet ich immer in symbiotische Beziehungen, bei denen ich anfangs vor Wonne beglückt aufseufzte, jeglichen Sinn für meine Bedürfnisse fahren ließ, mich bester Intention selbst verleugnete, meinem Gegenüber die Luft abschnürte, weil ich ihn auf Teufel komm raus zu meinem Ideal-Partner erziehen wollte und landete dann im Jammertal.
Was hat mir dieser fiese Kerl alles angetan und will doch nur sein Bestes, ich bin so eine gute Partnerin, er hat mich gar nicht verdient. Und Tatsache, jedes Mal nach einer Trennung war ich erleichtert, dass es endlich ausgestanden war. Der Klotz an meinem Bein, der sein Leben nicht allein organisieren konnte und mir meine Zeit klaute, war weg. Freiheit! Ich hatte mich ja schon sooo für ihn aufgeopfert und alle meine Bedürfnisse zurückgestellt. Nie ein Wort des Dank. Sollte doch eine andere Frau sich um seinen Scheiß kümmern! Ohne mich!

Richtig… Genau das hatte ich gedacht. MEGA – EMANZIPIERT. Auf die Idee, warum ich immer selbstgerechte Muttersöhnchen anzog, denen man beibringen musste „Hallo, na wie geht’s?“ zu fragen, kam ich nicht. Allein für den Gedanken, dass eine andere Frau sich um … lassen wir das. Wie heißt es so schön? Nicht nach hinten schauen. Lieber öffentlicher Beichtstuhl, gewähre mir Vergebung, denn ich war halt nicht schlauer.
Nach dem letzten Exitus kam ich dann auf die Idee, dass es auch was mit mir zu tun haben könnte. Wieso lasse ich mir eigentlich so viel gefallen, dachte ich.

Folgende Schlüsse ploppten in meinem Kopf auf.
1) Wenn du immer nur den Monologen deines Gegenübers zuhörst, ohne selbst von deinem superspannendem Kram zu erzählen, dann wird dein Gegenüber nie einschätzen können, wie wichtig dir dein superspannender Kram ist.
2) Wenn du immer auf dein Gegenüber wartest, statt deine Zeit für dich zu verplanen, wird dein Gegenüber denken, dass du immer Zeit für ihn hast.
3) Wenn du deinem Gegenüber nicht mitteilst, dass seine mangelnde Körperhygiene dir widerlich erscheint, wird er von selbst nicht drauf kommen.
4) Wenn du deinem Gegnüber gegenüber immer zuvorkommend herumgegenüberst, wird er es als NORMAL für deine Person empfinden und es im schlechtesten Fall nicht zu schätzen wissen.
5) Wenn du deinem Gegnüber nie klarmachst, was du magst (in jeglicher Hinsicht) wird dein Gegenüber das nicht riechen könne.
6) Wenn du um jeden konstruktiven Streit mit deinem Gegnüber herumlavierst, wird eure Beziehung nicht wachsen.
Und schlussendlich der wichtigste Gedanke
7) Vielleicht solltest du nichts mit jemanden anfangen, den du in nüchternem Zustand als Idioten identifizieren kannst.

Natürlich habe ICH mich in der Vergangenheit NIE so verhalten. Ich hatte Fernbeziehungen (da nimmt man sich dann doch extra Zeit für seinen Freund, dann verzichtet man aufgrund der kurzen gemeinsamen Zeit auf ein unnötiges „vielleicht Zähneputzen, Schatzi?“), ich hatte gelernt, nett zu sein, damit die Außenwelt auch nett zu einem ist, ich hatte gesagt, was ich mag und will, aber war immer mit notorisch vergesslichen Kiffern oder Ex-Kiffern zusammen, die sich einfach nichts merken konnten. Dafür hatte ich natürlich Verständnis, ich wollte ja nicht pingelig und kleinkariert sein. Und was konnte ich dafür, dass der, mit dem ich mich konstruktiv streiten wollte, ein absolut cholerisches und selbstgerechtes Verhalten an den Tag legte?

Quintessenz: Ich zog seit Jahren Menschen an, die sich selbst für den Nabel der Welt hielten, keinerlei Fehlereinsicht zeigten und sich bemuttern lassen wollten. Als ich mich darüber herumkontemplierend durch die Gegend bewegte, trafen mich einige Axthiebe. Ich war tief verborgen eine masochistische, sich selbst hassende Kuh, die fest daran glaubte, wertlos zu sein, außer sie war hübsch genug, sexy genug, willig genug und lieb genug. Die Kapelle meiner Gedanken spielte ein abwärtsgehendes tätätä täää. .

Wie oft hatte ich diese Auflistung in Psychomags und der Bäckerblume gelesen? Und ich war jedes Mal so erhaben darüber gewesen. Pustekuchen.

Nach dem Scheitern meiner Ehe folgte dann eine kurze Beziehung, die mich mores mir selbst gegenüber lehrte. Der Typ brachte mich zum Heulen und behauptete dann, mein Heulen würde ihn provozieren, noch mehr zu schreien. Selbst dafür hatte ich noch Verständnis. Das war der absolute Tiefpunkt der Selbstverleugnung. Zum Glück merkten wir relativ schnell, dass das mit uns nichts wurde (er wollte die Nummer eins sein, aber ich hatte ja schon ein Kind).

Das war der Zeitpunkt, an dem ich mir sagte: Schluss mit dem Beziehungskram. Das macht dich nicht glücklich. Du bleibst erst mal schön allein mit dir, das fandst du ja schon immer ganz gut. Wenn einer vorbeikommt, der bleiben darf, muss er dein Leben um mehr bereichern als regelmäßigen Sex.

Womit wir bei der Prä-Situation zur Prä-Polyamorie- Situation wären.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit, ich freue mich über Kommentare, Diskussionen und Publikumsbeschimpfung im Kommentarteil!