Ponchos und Knödel

In meiner Paraderolle als Berufstätige bin ich auch sonntags tätig. Ohne Sonn- und Feiertagszuschlag, versteht sich ja von selbst. Mit dem Zug fahre ich eine halbe Stunde in eine namentlich nicht näher bezeichnete Großstadt. Durch Umstände stehe ich da auch mal länger am Bahnhof und seit ich aufgehört habe zu rauchen, brauche ich ein neues Idiotenhobby. Also gaffen.
Heute im Angebot: Knödelhose und Ponchofresse. Knödelhose hat einen Haarknoten auf dem Kopf, ist von labbriger Körperform und trägt eine Skinnyjeans mit Hängearsch. Es sieht aus, als hätte dieser Mensch erst in die Hose gekackt und sie dann etwas runtergezogen, als der Inhalt nicht mehr schön warm war. Daneben läuft Ponchofresse. Ponchofresse hat Omas Vorhänge geklaut und sich lose darin eingewickelt. Aber das hat Spuren im Gesicht hinterlassen. Der Vorhang ist so schwer, das Ponchofresses Mundwinkel bis zum Knie runterhängen. Die Augen sind hinter einer doofen Brille versteckt, die Ponchofresse leider gar nicht intellektuell wirken lässt.
Apropos Poncho. Ich habe dank des ärmellosen Überwurfs ein neues Wort aus der Modewelt gelernt: „Statement“. Der Poncho ist ein sogenanntes Statementteil. Aha, hab ich da gedacht, wozu denn? „Leute, ich liebe Omas Vorhänge aus den Siebzigern!“? Das würde ich eher für mich behalten, oder im heißesten Fall schwer Interessierten aus dem intimen Kreis erzählen.

Aber okay: „Bahnhof der Stadt xy, ich Knödelhose, liebe Omas Vorhänge aus den Siebzigern!“.

Es ist mir ein ernstes Rätsel, was Statementteile aussagen sollen. „Pflasterstein auf Bullenschwein, ja, das muss ein Statement sein.“ Nicht subtil, aber anschaulich. Ersetze Pflasterstein durch Poncho und das Ganze ergibt überhaupt keinen Sinn mehr. Oder es ist eine sehr subtile Anspielung auf den eisernen Vorhang. Kein Vergeben, kein Vergessen. Crazy Modewelt.