Dokumentarfilm über verdeckte Ermittler*innen

Artikel 12 der UN Menschenrechtscharta

„Niemand darf willkürlichen Eingriffen in sein Privatleben, seine Familie, seine Wohnung und
seinen Schriftverkehr oder Beeinträchtigungen seiner Ehre und seines Rufes ausgesetzt werden.
Jeder hat Anspruch auf rechtlichen Schutz gegen solche Eingriffe oder Beeinträchtigungen. “

Über das Thema verdeckte Ermittlung und seine Auswirkungen wird generell zu wenig berichtet, zu wenig gesprochen und zu viel totgeschwiegen.
Ich war gerade im Film und kann ihn allen Menschen (nicht nur den politisch interessierten) nur weiterempfehlen.

Im inneren Kreis https://www.youtube.com/watch?v=MsgPUdQQzUM

Edit: Mensch, wann lern ich endlich, formschöne Links wie die anderen zu produzieren…

Neues Experiment – Online-Dating

Weil ich den Hals ja als net voll kriege, folgt jetzt das nächste Experiment. Ich werde mich ins Online-Dating stürzen. Meine offensichtlichen Ziele sind:

- Vögelpartner finden
- mich in die lesbische Liebe einweisen lassen
- Sexuelle Horizonterweiterung und (WEHE, einer lacht!)
- Gesprächspartner*innen finden, um gemeinsam den kleinen, kleinen Horizont zu erweitern.

Meine nicht so offensichtlichen Forschungsinteressen beinhalten:

- Analyse des eigenen Verhaltens in Bezug auf Schönheitsnormen, verdeckte rassistische Vorurteile, Chatverhalten und tatsächliche Bereitschaft, ein Abenteuer einzugehen
- Analyse gängiger Geschlechterrollenklischees in Foren
- Was passiert, wenn ich den Marktaspekt dieses Forums komplett überreize? Also zum Beispiel Fotos von meinen Zähnen einstelle, als Beweis, dass ich wirklich eine hochkarätige Ware bin?
- Und schließlich: Wird Onlinedating meine sowieso Generation Y geprägte Sicht auf mögliche Beziehungsgenossen verändern?

All dies erfahren Sie in den kommenden Wochen auf: gutenmorgen.blogsport.de!

Start des Experiments war der 28. Juni 2017, die Plattform, auf der ich mich bewege, wird natürlich nicht namentlich genannt, gehört zu den optional kostenfreien Foren in dieser Hinsicht, und ist angeblich eine Hochburg der links motivierten Szene.

Experiment Polyamorie Teil 2

In diesem Part geht es um meine Ausgangslage, meine bisherigen Beziehungsmuster und mal wieder ein schonungsloses Abrechnen mit diesen.

Sidequests for you!

Theoretische Hintergründe, in die ich wegen der „PA-Geschichte“ immer mal wieder reingelesen hatte:

Auf dieser Seite http://www.polyamorie.de/ hatte ich viel herumgelesen und mich im Prä-Stadium der Polyamorie in vielen Texten emotional wiedergefunden. Gestört hatte mich die Unterteilung in „Primary“, „Secondary“, „Tertiary“, die an einigen Stellen anklingt. Das wohl aber nur, weil ich selbst gierig nach Ordnung und Schubladisierung bin.

Auch dieses kurze (ach du meine Güte, was für ein Design, aber wir stehen ja zum Glück über den Optics, oder?) PDF http://robert-betz.com/fileadmin/files/medien/pdf/va_rbetz_wahre_liebe_warum_leiden.pdf hatte mich sehr angesprochen.

Das http://www.kolleg-postwachstum.de/sozwgmedia/dokumente/WorkingPaper/wp8_2014.pdf hatte ich auch gefunden und lesen wollen, (haha, didn‘t read!!), steht immer noch auf der Liste.

Und dann noch das Lieblingsdings aus der Projektwerkstatt http://www.projektwerkstatt.de/gender/download/a5_beziehungen.pdf.

Nun aber Seelenstriptease. Zur Sache, amigas und amigos!

Mein bisheriges Beziehungsmuster empfand ich als kompletten Schrott. Irgendwie geriet ich immer in symbiotische Beziehungen, bei denen ich anfangs vor Wonne beglückt aufseufzte, jeglichen Sinn für meine Bedürfnisse fahren ließ, mich bester Intention selbst verleugnete, meinem Gegenüber die Luft abschnürte, weil ich ihn auf Teufel komm raus zu meinem Ideal-Partner erziehen wollte und landete dann im Jammertal.
Was hat mir dieser fiese Kerl alles angetan und will doch nur sein Bestes, ich bin so eine gute Partnerin, er hat mich gar nicht verdient. Und Tatsache, jedes Mal nach einer Trennung war ich erleichtert, dass es endlich ausgestanden war. Der Klotz an meinem Bein, der sein Leben nicht allein organisieren konnte und mir meine Zeit klaute, war weg. Freiheit! Ich hatte mich ja schon sooo für ihn aufgeopfert und alle meine Bedürfnisse zurückgestellt. Nie ein Wort des Dank. Sollte doch eine andere Frau sich um seinen Scheiß kümmern! Ohne mich!

Richtig… Genau das hatte ich gedacht. MEGA – EMANZIPIERT. Auf die Idee, warum ich immer selbstgerechte Muttersöhnchen anzog, denen man beibringen musste „Hallo, na wie geht’s?“ zu fragen, kam ich nicht. Allein für den Gedanken, dass eine andere Frau sich um … lassen wir das. Wie heißt es so schön? Nicht nach hinten schauen. Lieber öffentlicher Beichtstuhl, gewähre mir Vergebung, denn ich war halt nicht schlauer.
Nach dem letzten Exitus kam ich dann auf die Idee, dass es auch was mit mir zu tun haben könnte. Wieso lasse ich mir eigentlich so viel gefallen, dachte ich.

Folgende Schlüsse ploppten in meinem Kopf auf.
1) Wenn du immer nur den Monologen deines Gegenübers zuhörst, ohne selbst von deinem superspannendem Kram zu erzählen, dann wird dein Gegenüber nie einschätzen können, wie wichtig dir dein superspannender Kram ist.
2) Wenn du immer auf dein Gegenüber wartest, statt deine Zeit für dich zu verplanen, wird dein Gegenüber denken, dass du immer Zeit für ihn hast.
3) Wenn du deinem Gegenüber nicht mitteilst, dass seine mangelnde Körperhygiene dir widerlich erscheint, wird er von selbst nicht drauf kommen.
4) Wenn du deinem Gegnüber gegenüber immer zuvorkommend herumgegenüberst, wird er es als NORMAL für deine Person empfinden und es im schlechtesten Fall nicht zu schätzen wissen.
5) Wenn du deinem Gegnüber nie klarmachst, was du magst (in jeglicher Hinsicht) wird dein Gegenüber das nicht riechen könne.
6) Wenn du um jeden konstruktiven Streit mit deinem Gegnüber herumlavierst, wird eure Beziehung nicht wachsen.
Und schlussendlich der wichtigste Gedanke
7) Vielleicht solltest du nichts mit jemanden anfangen, den du in nüchternem Zustand als Idioten identifizieren kannst.

Natürlich habe ICH mich in der Vergangenheit NIE so verhalten. Ich hatte Fernbeziehungen (da nimmt man sich dann doch extra Zeit für seinen Freund, dann verzichtet man aufgrund der kurzen gemeinsamen Zeit auf ein unnötiges „vielleicht Zähneputzen, Schatzi?“), ich hatte gelernt, nett zu sein, damit die Außenwelt auch nett zu einem ist, ich hatte gesagt, was ich mag und will, aber war immer mit notorisch vergesslichen Kiffern oder Ex-Kiffern zusammen, die sich einfach nichts merken konnten. Dafür hatte ich natürlich Verständnis, ich wollte ja nicht pingelig und kleinkariert sein. Und was konnte ich dafür, dass der, mit dem ich mich konstruktiv streiten wollte, ein absolut cholerisches und selbstgerechtes Verhalten an den Tag legte?

Quintessenz: Ich zog seit Jahren Menschen an, die sich selbst für den Nabel der Welt hielten, keinerlei Fehlereinsicht zeigten und sich bemuttern lassen wollten. Als ich mich darüber herumkontemplierend durch die Gegend bewegte, trafen mich einige Axthiebe. Ich war tief verborgen eine masochistische, sich selbst hassende Kuh, die fest daran glaubte, wertlos zu sein, außer sie war hübsch genug, sexy genug, willig genug und lieb genug. Die Kapelle meiner Gedanken spielte ein abwärtsgehendes tätätä täää. .

Wie oft hatte ich diese Auflistung in Psychomags und der Bäckerblume gelesen? Und ich war jedes Mal so erhaben darüber gewesen. Pustekuchen.

Nach dem Scheitern meiner Ehe folgte dann eine kurze Beziehung, die mich mores mir selbst gegenüber lehrte. Der Typ brachte mich zum Heulen und behauptete dann, mein Heulen würde ihn provozieren, noch mehr zu schreien. Selbst dafür hatte ich noch Verständnis. Das war der absolute Tiefpunkt der Selbstverleugnung. Zum Glück merkten wir relativ schnell, dass das mit uns nichts wurde (er wollte die Nummer eins sein, aber ich hatte ja schon ein Kind).

Das war der Zeitpunkt, an dem ich mir sagte: Schluss mit dem Beziehungskram. Das macht dich nicht glücklich. Du bleibst erst mal schön allein mit dir, das fandst du ja schon immer ganz gut. Wenn einer vorbeikommt, der bleiben darf, muss er dein Leben um mehr bereichern als regelmäßigen Sex.

Womit wir bei der Prä-Situation zur Prä-Polyamorie- Situation wären.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit, ich freue mich über Kommentare, Diskussionen und Publikumsbeschimpfung im Kommentarteil!

Experiment Polyamorie Teil 1

Herzlich Willkommen zu einer voyeuristischen, aufklärenden, jede Dämlichkeit und Idiotie sowie Großartigkeiten und Normalitäten abbildenden Experimentbeschreibung. In Part 1 geht es um die Parameter, die Erwartungen und Teilnehmer*Innen des Experiments. Die Beschreibung ist nicht wissenschaftlich, sondern literarisch und bildet meine Erfahrungskurve ab.

BEGINN

Jajaja, die Versuchsreihe ist beendet und nun ist es Zeit, das Experiment „Polyamorie“ auszuwerten.
Wie bereits in anderen Blogtexten beschrieben, tat ich mich stets schwer mit dem ausgewogenen Führen einer sexuellen, eheähnlichen Beziehung. Nach dem klassischen seriell monogamen Vorgehen meiner Generationsgenoss*Innen bin auch ich durch mehrere solcher Episoden geschlittert, ohne Nennenswertes an geistiger, seelischer und emotionaler Entwicklung durchzumachen.

Durch Zufall entstand dann eine Situation in der ich sowohl
a) mit dem Phänomen der Polyamorie in Theorie bereits längere Zeit verbracht hatte
b) die Neugierde auf diese Art des Miteinanders immens groß war
c) ich in einer gemäß meiner eigenen emotionalen Kurve relativ großen Stabilität befindlich war, woraus folgerte, dass ich
d) ein gesundes Selbstwertgefühl hatte und
e) das Angebot an Partnern überdurchschnittlich war.

Was ich von dem Experiment erwartete
1) Entwicklung der Eigenständigkeit als Person
2) Abnahme der Abhängigkeit von den anderen
3) Gesundes Verhältnis zur eigenen Zeit
4) Bewusstwerdung von geistigen, seelischen und emotionalen Themen, die in vergangenen Mono-Beziehungen verdrängt/auf meinen Partner projiziert**** wurden.
5) Entspannung der Ansprüche an die Partner, da nicht mehr ein Partner alles ausgleichen / können / erfüllen muss (naja, siehe Punkt 4)
6) Auseinandersetzung mit dem Phänomen der Eifersucht
7) Sexuelle Bereicherung und Befriedigung
8) Zunahme der Liebesfähigkeit
9) intensiven Austausch mit den Partnern über Beziehungsformen, Liebe und Sex

****Exkurs: Was ist eigentlich von diesem Herumprojizieren zu halten?*****

Ich war sowieso gerade im Sommer of Love und war voll von, ja was eigentlich? Irgendwie beschwingt und aufgeladen, zum Bersten gefüllt mit Liebe, Sex und noch irgend etwas. Ich knutschte mit einem Mann (M1) aus meiner Vergangenheit, den ich schon immer geil gefunden hatte. Für mich stand in meiner Situation fest, dass ich ihn informieren musste, wie es um meinen Denkprozess zu Monogamie und Sex und Partnerschaft stand. Da er selbst gerade aus einer Beziehung kam und mit dem Thema Monogamie und Sex aus eigenen Gründen beschäftigt war, traf sich das ganz gut. Er fragte auch, wie ich das meinte, ob nur ich dürfte und er nicht, oder wie. Kurz war ich versucht zu sagen, ja, genau, nur ich, nicht du. Hab ich dann aber nicht. Er erklärte, dass er damit gut zurecht käme, solange ich ihm nicht von den anderen erzählen würde. Selbst, so sagte er, würde die Option wohl nicht so nutzen, da er mit mir „voll ausgelastet“ sei. Zu diesem Zeitpunkt war mein Entschluss zum Experiment noch nicht auf einer praktischen, sondern nur auf einer theoretischen Ebene.

Der Kindsvater (M2) und ich hatten uns wieder angenähert. Nach einigem Gekuschel und viel Schiss schliefen wir tatsächlich miteinander und empfanden es beide als Bereicherung. Er sprach den Punkt Polyamorie an. Wir hatten ja bereits in unserer Zeit als monogames Paar beschlossen, uns zu öffnen, was allerdings aus vielerlei Gründen, unter anderem meiner Weigerung, mir Spaß und Sex zu gönnen, scheiterte. Auch er hatte sich, so erzählte er, mit Polyamourie beschäftigt. Als wir da lagen, nackt, Arm in Arm, erzählte er von seiner Vision. Wir als Paar, dass sich lässt, zusammen nach eigenen Regeln Familie lebt und unsere Partner*Innen, die in unserem Kosmos mitatmen und wiederum ihre Partner*Innen haben. Und zum Schluss ist die Welt ein einziger, sich liebender Ort, alle schenken sich Zuneigung und Aufmerksamkeit. Er bot mir an, diese seine Vision mit ihm in die Praxis umzusetzen.
Ich empfand diese Vision als unglaublich schön. Da ich sein Talent für Abstraktionen aber bereits seit vielen Jahren kenne, und weiß, dass sein Ego oft an der Realität zerschellt, kam ich gleich ins Konkrete. Ich erzählte von M1, unserer Knutscherei. Die beiden kennen sich noch aus Jugendzeiten. Uh, das ist ein schöner Mann, sagte er. Ich selbst kann mich erinnern, dass die kleineren Jungs damals immer sehr von M1 angezogen waren. Aus M2 Blicken sprach eine Mischung aus der Erinnerung an diese Zeit, als auch er M1 angehimmelt hatte und der nebulösen Angelegenheit, dass M1 nun eine Rolle in meinem Leben spielte. Ich fühlte mich über alles Gefühle von M2 erhaben. Ich spürte nur, wie mich zwei Männer begehrten und fand das großartig.
Und dann traten kurz M2s Egozüge zum Vorschein. Du musst ja nicht noch eine Affäre anfangen, sagte er zu mir. Rückblickend hätte ich an diesem Punkt in zweierlei Hinsicht* stutzig werden müssen. Für mich war M1 keine Affäre, sondern ein Mensch, den ich ernsthaft gern kennen lernen und in meinem Leben behalten wollte, jedoch nicht so vereinnahmend, wie ich es in der Vergangenheit mit Menschen gemacht hatte (so à la Freund oder Feind). Ich erklärte also diesen Punkt M2. Er wollte dennoch. Historisch gesehen startete hier das Experiment Polyamorie in der Praxis. Das war so Mitte September 2016.

*1) Ich war nicht auf Augenhöhe mit M2, 2)M2 war nicht in der Lage zu verbalisieren, dass er für mich der große Typ sein wollte und er Angst hatte, nicht Nummer 1 zu sein.

Okay. Zuletzt sprach ich mit dem dritten Mann (M3), der bereits einige Monate in meinem Leben war und darin unglaublichen Eindruck hinterließ. Wir hatten unsere Affäre immer mal wieder beendet und immer wieder angefangen, weil die Anziehungskraft zwischen uns immens war. Das Kennenlernen von M1 fiel in eine unserer Off-Zeiten. Kurz darauf trafen wir uns aber wieder, zufällig, wie immer. Ich hatte ihm bereits vorher in einem Telefonat von meiner Situation und dem Experiment erzählt. Als wir uns küssten sagte er:
Du bist doch jetzt in festen Händen, und außerdem M2, geht das überhaupt? Ja, ich habe ihnen schon von dir berichtet, habe ich geantwortet. Da war M3 aufgebracht. Völlig zu recht, denn ich hatte unsere Abmachung gebrochen, niemandem von dieser Beziehung zu erzählen. Aber er fand das Experiment spannend und schien nicht abgeschreckt durch den Faktor mehrerer Sexualpartner. Im Gegenteil, er erwies sich von allen drei Experimentpartnern als der Gesprächsfreudigste zu diesem Thema.

So. Für einen ersten Teil reichts. Sehr viel Text. Gute Nacht und schlafet fein.

Die Erziehung der Gefühle

Ja, was soll man machen.
Da würgt einen das Thema Beziehungen das ganze kurze Leben schon und man ahnt als Leidträgerin, dass sich das doch auf die Lebenszufriedenheit auswirkt. Was haben wir nicht alles für Herausforderungen zu bestehen.
Die meisten meiner Altersgenossinnen und Genossen sind von alleinerziehenden Müttern großgezogen worden. Meine eigene (alleinerziehende) Mutter überlieferte mir in einer schweren Phase meiner Schwangerschaft den schicksalsträchtigen Satz, den ich als Stöpsel losgelassen hatte:

„Ich habe keine Idee, was ein Vater in einer Familie macht.“

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich trotz Neugierde nie auch nur einen jungen, kinderlosen Mann gefragt habe, wie er sich in der Vaterrolle sieht. Alles, was ich an Eindrücken von Männern meines Alters gewann, war eine unglaubliche Ablehnung in Bezug auf Kinder. Kinder waren ein „bäh“, ein unvorstellbares Generve und Mühsal. Ich selbst passte auch gut in diese Blase, auf keinen Fall wollte ich jemals Kinder in die Welt setzen. Der Vater meines Kindes war eine Erscheinung von einem anderen Stern, als er verkündete, dass er zwanzig Kinder wolle.

Ich mochte und mag Sex. Das war schon immer ziemlich klar. Erst in der Retrospektive und mit erhöhter Erfahrungsdichte habe ich gemerkt, dass meine absolut fröhliche, ausgelassene und unverklemmte Sexualität eher die Ausnahme als die Regel ist.

Mit dem Eingehen von Beziehungen tat ich mir immer schwer. Es war ein zweischneidiges Schwert. Einerseits verliebte ich mich gern, andererseits hatte ich, sobald man monogam miteinander ging, ein komisches Gefühl. Auch wenn die Beziehung noch frisch war, habe ich immer überlegt, wie ich da wohl wieder rauskomme. Nach monogamen Maßstäben war ich absolut treu. Aber immer fehlte mir etwas in diesen Beziehungen, oder die Gegenwart des anderen erdrückte mich. Es war so eine lineare Scheiße, die mich kaputt gehen ließ. Die Stufen hießen: sich verlieben, Sex haben, zusammen sein, aufs Zusammenziehen hinarbeiten, zusammenziehen, eine Familie gründen, heiraten, fertig, aus.

Ich war so verkopft und eingeengt, dass ich es bis zu meinem 30. Lebensjahr nicht kapiert habe, was mir Angst machte. Dieses ganze Bild, dem ich mich auslieferte, nagelte mich fest auf eine Opferrolle, die ihr Schicksal nicht selbst gestaltet. Klar, ich wurde cleverer mit der Zeit und lernte mich besser kennen. Aber die große, alles zusammenfügende Erkenntnis fehlte. Ich war doch so eine aufgeklärte, emanzipierte, gut ausgebildete und ehrgeizige, schöne, junge Akademikerin? Es konnte doch gar nicht an mir liegen. Pustekuchen. Nach der Schwangerschaft kam der Totalzusammenbruch.

Meine gefühlte Situation wurde in einer Folge von „Die Anstalt“ ziemlich treffend zusammengefasst. Ich konnte für einen ziemlich gräßlichen Moment sehr klar sehen.

Menschen mag ich gern leiden und ich liebe Gesellschaft. Gleichzeitig brauche ich sehr viel Zeit für mich, zum Prökeln, wie man so schön sagt. Meine Wohnung ist mein Revier, da lasse ich niemanden außer mir nach seinen Bedürfnissen existieren (ein Wunder, dass mein Kind dort auch sein darf). Und obwohl ich wusste, dass ich meinen eigenen Platz brauche, hatte ich in der Vergangenheit immer wieder versucht, das monogame Ideal des gemeinsam wohnenden Pärchens zu produzieren.
Ich hatte mich in meinen vergangenen Beziehungen immer für den Mann aufgegeben, habe nach seinen Bedürfnissen gelebt und mich in den Hintergrund gestellt. Kein Wunder, dass ich kreuzunglücklich in Beziehungen wurde. Dermaßen verbogen wird wahrscheinlich niemand auf dieser Erde glücklich.